Kann H&M damit glücklich werden? Funktioniert der Trick denn immer noch? Oder geht der Schuss nicht doch nach hinten los, wenn ein Unternehmen eine Riesenwerbekampagne fährt mit vielen großen bunten Anzeigen – dieses Mal für Roberto-Cavalli-Plüdden: „Exklusiv für H&M“ und zu verlockenden H&M-Preisen. Tagelang vorher schon in vielen Print-Medien in ganzseitigen Anzeigen und an Plakatwänden in den Städten. Riesengroß, teuer, auffällig und zugegeben – die Klamotten sehen attraktiv aus. Jedenfalls an den Models und auf dem Papier. Die Sache hat nur einen Haken: Tausende und Abertausende von Menschen werden heiß gemacht. Aber nur ganz wenige Kämpferinnen, Hausfrauen und vielleicht ein paar Studentinnen oder Arbeitslose schaffen es, sich Donnerstagsmorgens um zehn Uhr die wenigen Teile zu erbeuten. Nicht die jungen Mädchen, die um die Zeit die Schulbank drücken müssen und auch nicht Frauen, die brav ihrer Arbeit nachzugehen haben und wacker in die Sozialkassen einzahlen. Denn sicher ist, wenn deren Mittagspause beginnt, ist nichts mehr da von Cavalli. Schon dreimal nicht am Abend oder am nächsten Tag. Und dann verkünden die befragten Verkäuferinnen triumphierend: „Was wollen Sie? Nein, daaaaaas war alles gleich ausverkauft. Gestern morgen schon.“ Zwischen den Zeilen und vor allem im Blick der Einzelhandelskauffrau ist zu lesen: „Sie Blödian, wie naiv sind Sie eigentlich?“
Das Ganze ist Kalkül, die ausgelöste Enttäuschung bei den Kunden ist gewollt – und zwar von H&M. Mit Absicht so wenig, so kleine Stückzahlen auf den Markt zu werfen, dass die Allermeisten leer ausgehen.
Und dann sind da noch die Plakate – so wie in Düsseldorf – , die noch Dienstagsmorgens und vier Tage nach dem Ausverkauft-Sein an einer viel bestandenen Stau-Strecke auf einer Einfallstraße prangen. Wo man gaaanz langsam an dem H&M-Plakat vorbeifahren muss und sich nochmal ärgern darf. Ärgern über die H&M-Marketingstrategen, die einem immer noch vorführen, was man ohnehin nicht bekommen durfte. Und dieses Mal nicht, weil es von Cavalli ist und unerschwinglich. Sondern weil es von dem Schweden-Konzern kommt – der eigentlich Erschwingliches verkauft. Der aber mir als Esel diese Möhre nur vorhält – und die immer unerreichbar sein wird. Bleibt die Frage, ob ich noch gerne zu einem Textilhändler gehe, der mich zum Esel macht.
Hier können Sie bei Gala.de lesen, wie sich in New York die Frauen allen Ernstes um H&M-Cavalli-Mode balgten und boxten: www.gala.de/lifestyle/trend/11716.html .
Und wer ganz hart drauf ist, kann sich da auch gleich die Fotostrecke anschauen, mit den Bildern der Kleider. Die hat H&M sicher allzu gerne der Redaktion überlassen.
gelockvögelt: [ˈgeːlɔkføːgəlt]umgangssprachlich, marketingtechnisch aufs Kreuz gelegt.
Der Artikel ist als Begriffsbestimmung für Wikipedia gut geeignet.
😉
Für alle auf’s Kreuz gelegte Lockvögel, ein kleiner Trost: Auch die Halbwertszeit von Cavalli’s-Klamotten entgehen nicht der bereits festgefügten Axiomatik für die Damenoberbekleidung: „Die Mode ist so schlecht, daß man sie alle halbe Jahre erneuern muß“. Und wer tröstet die Werbetrommler nach iher unbeabsichtigten Lade(n)hemmung?
Warum auch sollte es bei dieser Firma anders sein als etwa bei den Billigfliegern und anderen „Aktionskünstlern“?
Bei H&M werden nicht nur die Kunden zum Esel gemacht. Auch den Mitarbeitern wird schon Mal besonders übel mitgespielt, siehe hier: https://berlinhennig.de/wp02
ihr habt doch keine ahnung!!!!
Ich glaube leider wirken die Kampagnen mit den großen Namen und immerhin der Aussicht auf so ein Designerteil so gut, dass wir auch nächstes Mal wieder der Illusion verfallen, wir könnten und auch etwas aus der Kolletkion aussuchen und müssten nicht mit dem einen Teil in der falschen Größe vorlieb nehmen, das zwei Tage nach Verkaufsstart als letztes noch in den Regalen liegt. Und selbst wenn wir das tun wollen, ist uns H&M wieder einmal ins Gedächtnis gerufen worden und das reicht den Werbern ja oft auch schon!