Pferdewette mit Ernst & Young

Werbung mit Wettbewerben ist eine heikle Sache. Wenn Franjo Pooth mit seiner Elektronikfirma Maxfield nun gerade der Prozess gemacht wird und die Commerzbank von ihm 1,75 Milionen Euro fordert, so findet sich plötzlich unversehens auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit auf der Anklagebank wieder. Nolens volens.
Weil die Gesellschaft – sie ist immerhin eine der Big Four ihrer Branche weltweit – vor zwei Jahren Franjo Pooth, den Ehemann von Veona (frühere Feldbusch) als Finalisten im Wettbewerb „Entrepreneur des Jahres“ nomiert hatte. In demselben Jahr, als ein – vermutliche anderer – Wirtschaftsprüfer bei Maxfield schon einen Fehlbetrag in Millionenhöhe ermittelte. So jedenfalls die Prozessberichterstattung aus dem Landgericht in Düsseldorf. Wenn´s so stimmen sollte und Ernst und Young denselben Unternehmer als Hofnungsträger identifizierte… fragt man sich zumindest, wer da der fähigere Wirtschaftsprüfer war. Ernst & Young hat damals wohl kaum geahnt, dass im Mai 2008 der Insolvenzberater von Maxfield bei dieser Firma nur noch 37 Cent als Insolvenzmasse vorfinden sollte.
Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass solche Wettbewerbe und Ehrungen etwas von Pferdewetten haben.
Anderes Beispiel gefällig? Vor zwei Jahren wurde Post-Chef Zumwinkel zum „Strategen des Jahres“ gekürt. Der wurde über Nacht quasi vom Erfolgsmanager zum Angeprangerten, als in aller Hergottsfrühe die Steuerfahnder in der Privatvilla aufkreuzten, als die Kamerawagen von TV-Sendern live dabei waren und die Handelnden Spießruten laufen liessen.
In der Geschichte der alljährlichen Veuve-Cliqout-Ehrung zur „Unternehmerin des Jahres“ sind auch solche Beispiele dabei. Die Bauunternehmerin Annette Winkler etwa. Die damals vielbeschriebene schöne Frau wechselte dann von der Unternehmerin quasi im eingesprungenen Rittberger – der geneigte Leser staunte – nahtlos zu Daimler in eine Führungsposition als Angestellte. Nachdem sie erst noch ein weiteres Bau-Unternehmen dazu gekauft und dann mit beiden leider Insolvenz anmelden musste – was in der Branche damals nicht wirklich ungewöhnlich war. Auch anderen Preisträgerinnen der Champagnermarke erging es nicht besser, – was wirklich nicht an denen selbst und ihren Fähigkeiten liegen musste. Sie gingen
pleite im Anschluß oder wegen Zwistigkeiten mit Partnern, erlitten persönliche Schicksalsschläge undsoweiter – wie das Leben eben spielt. Es gibt immer ungünstige Umstände, Konstellationen und ganz einfach auch Pech, keine Frage.
Aber genau das sollten Unternehmen, die Geehrte für ihre wirtschaftlichen Leistungen – egal ob angestellte Manager, Unternehmer oder Unternehmerinnen – werbewirksam hochleben lassen, um selbst dabei in gutem Licht zu erscheinen, bedenken. Ob sie – im Nachhinein betrachtet – eines Tages immer noch so gut dastehen werden. Denn die Ehrung gehört zur Vita und wer geschasst wird oder stolpert, der wird dann regelmässig von der Presse mit diesem Attribut eingeordnet. Allein schon, um Lesern die Bedeutung der Personalie klar zu machen. Und dann kommt die Auszeichnung eben auch auf den Förderer des Preises wie ein Bumerang zurück gedonnert.
Start-ups sind vielleicht besonders riskant. Dass sie nicht am Markt bestehen, kann passieren. Oder dass Nachahmer die Idee kopieren – nur viel besser agieren. Oder sich schlicht verheben. Siehe Maxfield. Aber nur vielleicht. Denn auch bei Firmen mit großen Namen kann heute der nächste Tag die Welt auf den Kopf stellen: Schering ist so ein Beispiel, Hoechst auch, Mannesmann, Siemens/BenQ, Dresdner Bank, Arthur Andersen undsoweiter – die Kette lässt sich beliebig fortsetzen. Die Lebensläufe der Manager, die dort arbeiteten, zieren diese Firmennamen heute kaum mehr. Merke: Die Wirtschaft ist mit ihren Protagonisten eher zu etwas sehr Flüchtigem mutiert. Die deutschen Vorstände sind nur noch deutlich kürzer im Amt als die – für eigentlich High-and-Fire-Methoden verschrieenen – US-Unternehmen, rechnete die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton bisher jährlich vor. Auch die heissen übrigens schon seit diesem Jahr nicht mehr so, sondern nur noch Booz & Company – mit weltweit viel weniger Umsatz als vorher.
So gesehen, sind Sportler als Markenbotschafter fast eine sicherere Bank (gibt es die eigentlich noch? gilt diese Redewendung noch?) – zumindest sicherer als die Wirtschaftsgrößen und solche, die es erst noch werden wollen. Denn was können die Sportler schon anrichten? Ihre Einnahmen über die Schweiz versteuern und auswandern, oder schlicht und einfach zum sinkenden Stern werden und immer öfter ihre Spiele verlieren. Oder aussteigen. Aber irgendwie hat Steffi Graf oder ein Boris Becker heute noch einen höheren Werbewert als ein entthrohnter Manager des Jahres.
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2 Kommentare zu „Pferdewette mit Ernst & Young“

  1. Conergy-Blindflieger Hans-Martin Rüter, der – ebenfalls von Ernst&Young – als Entrepeneur des Jahres 2007 ausgezeichnet wurde, sollte in dieser Liste der Negativbeispiele nicht fehlen.

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