Schokolade im Verfassungsrang

Schöner hätte es sich gar kein Marketingchef ausdenken können, aber die Realität hat die Fanatasie mal wieder geschlagen…

Der lokale Radiosender Antenne Düsseldorf brachte die News heute früh in den Nachrichten, allen Ernstes. Dass Stiftung Warentest nun untersucht habe, was die beste Milchschokolade Deutschlands sei. Und man verriet dem geneigten Hörer auch gleich, welche drei am besten abgeschnitten hatten: Und zwar diejenigen von den Discountern Lidl und Aldi. Auf Platz Eins sei die Fairglobe-Schokolade von Lidl gefolgt von Aldis Moser-Roth und – schon wieder Lidl – Fin Carre‘ (nur 35 Cent übrigens).Das Ganze zwischen Konjunkturmeldungen und den Streiks der Lokführer – Schokolade quasi im Verfassungsrang.Unerwähnt blieb der Klassiker Milka, der wenigstens auf dem vierten Platz gelandet ist.

Fest steht aber: Hätte ein Marketingchef sich genau dies zum Ziel genommen, sein Produkt in die offiziellen Nachrichten zu bringen – und zwar nicht als Rückrufaktion, sondern als Kaufempfehlung – er hätte es nicht geschafft. Und Empörung wäre ihm mit seinem Ansinnen entgegen geschlagen.

Oder anders herum gesagt: Vergessen Sie, was die hochbezahlten Strategieberater ihnen einzuflüstern versuchen. Kümmern Sie sich lieber ums Produkt, mit Hingabe und Leidenschaft. Machen Sie das, was Sie selbst als Kunde auch haben wollten.

  

http://www.test.de/themen/essen-trinken/test/-Schokolade/1590611/1590611/1591821/

4 Kommentare zu „Schokolade im Verfassungsrang“

  1. Nach den Salmonellen-Schlagzeilen der Aldi-Schokolade in den vergangenen Jahren war das ja wohl höchste Zeit! Wie gut, dass es die privaten „lokalen Radiosender „gibt, die endlich senden, wonach der Konsument lechzt: Alltagsferne Konjukturmeldungen und Lokführernachrichten im Kontrast zur Milchschokolade – da ist doch jedem klar, was uns mehr auf der Zunge zergeht. Nachdenklich macht nur die Deutungshoheit, die sich solche Testinstitute zur allgemeinen Verbraucherbeglückung anmaßen. Wie objektivieren wir denn den guten Geschmack? Der Pluralismus menschlicher Zungen wird auch weiterhin ein großes Schokoladengeschmacksspektrum notwendig machen. De gustibus non esse disputandi – außer bei öffentlich-rechtlichen Oberlehrern und deren Adepten. Wahrscheinlich ganz andere Ergebnisse wird es geben, wenn dann lila Kühe getestet werden. Das steht uns vielleicht 2008 ins Haus – zwischen Hillary´s Gesundheitsreform und Vertreibungsopfern in Dar Fur. Was sind schon Lokführer dagegen?

  2. Zunächst an Axel. Es heißt: De gustibus non est disputandum. Wenn schon, denn schon.

    Und nun zur Sache. Toedmanns Beitrag ist so einfach wie richtig. Und genau das ist es, was viele Marketing-Leute nicht verstehen oder nie gelernt habe: sich aufs Wesentliche konzentrieren. Qualität zu produzieren ist vielleicht langweiliger als sich von den Beratern mittags beim Kult-Italienern einladen zu lassen und wichtige Dinge zu sagen. Aber es ist nun mal nachhaltig und führt verläßlich zu langfristigem Erfolg.
    Danke, Frau Toedtmann, für diese punktgenau unspektakuläre Anlayse.

  3. Hallo Philipp, danke für die konstruktive Kritik. „Esse“ ist Appellativ und somit pointierter als das mittelalterliche „est“. Und das „disputandum“ war dem Rotwein geschuldet. Doch „genau das ist es, was viele Marketing-Leute nicht verstehen oder nie gelernt haben: sich aufs Wesentliche konzentrieren, Qualität zu produzieren……“ Guten Appetit beim Kult-Italiener.

  4. Hi Arthur, noch eine kleine Korrektur, da wir ja über Qualität sprechen: Es handelt sich hier um ein lateinisches Sprichwort, das ganz gewiss seinen Ursprung vor dem Mittelalter hatte (also auch das Wort „est“). Und es ist eine Weisheit, die keiner weiteren Pointierung bedarf; das ist ja ein wesentlicher Aspekt, der Aussagen zu Sprichwörtern macht. Appellativ hin, Rotwein her.

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