Da gibt es Studien mit Erkenntnissen, bei denen man sich fragt, ob dafür eine Studie nötig war. Ob der gesunde Menschenverstand nicht ausgereicht hätte. Die Hypovereinsbank mit ihrer Untersuchung zu vermögenden Privatkunden ist so ein Beispiel.
Sie fördert gar Erstaunliches über die Wunsch-Zielgruppe der Hypovereinsbank – die reichen Kunden – zutage: Dass vor allem „die persönlichen Beziehungen“ zählen. Geschenkt. Was sonst? Wäre es anders, könnten auch vermögende Bankkunden gleich zu einer Direktbank wechseln. Da bräuchten Sie nicht mal einen Parkplatz suchen und sich auch nicht selbst zu einer der immer weniger werdenden Filialen hinzubemühen.
Also: Würden Sie, wenn Sie richtig viel Geld anzulegen hätten, jemanden um Rat fragen, den Sie an dem Tag zu ersten Mal sehen? Nur weil er ihnen unter dem Logo einer Bank entgegen tritt? Nicht wissend, ob derselbe Berater ihnen dort je ein zweites Mal begegnen wird? Richtig, ich auch nicht.
Und überrascht es Sie ernsthaft, dass diese Kunden „einen qualifizierten, vertrauenswürdigen Berater auf gleicher Augenhöhe suchen“? Mich nicht. Wer entweder sein Geld sauer erarbeitet oder sein ererbtes Familienvermögen zu verteidigen hat, plant jedenfalls nicht, es so einfach von einem – flüchtigen – Bankangestellten verzocken zu lassen. Flüchtig, weil Banker heute ihren Kunden nie lange erhalten bleiben. Entweder werden sie befördert oder schwanger – natürlich nur die Damen – und werden nicht mehr gesichtet. Das Ergebnis ist dasselbe. Schon wieder fordert Sie ein neuer Banker auf, ihn doch „mal zum Kaffee besuchen zu kommen“. So, als hätten Sie gar nichts anderes zu tun. Selbstverständlich in seiner – und Ihrer – Arbeitszeit. Und weil das jährlich passiert, lassen Sie’s inzwischen gleich bleiben. Und Ihr neuer Berater ist beleidigt. Macht aber nichts, vermutlich bleibt er ja nicht lange.
Die Untersuchung, wonach ein Bankkunde erst nach fünf Jahren Vertrauen fasst zu seinem Berater, scheint den meisten Großbanken nicht geläufig zu sein. Wie sonst ist dieses hektische Personalkarussel zu erklären.
Doch zurück zur Augenhöhe: Wie soll diese Augenhöhe entstehen, wenn die Bankberater heute maximal 32 Jahre alt sind, die Kunden – weil vermögend – aber deutlich älter? Oder diese zwar Erben sind und ebenso jung, aber nicht unbedingt auf der Suche nach einem Berater, der ähnlich wenig hinter sich hat wie sie selbst.
Weiter heißt es in der Studie: Die Kunden sind auf der Suche nach verlässlichen und kompetenten Banken, die ihre Erwartungen erfüllen. Und dass der Bedarf an qualifizierter und vertrauenswürdiger Beratung eher größer als kleiner geworden ist. Auch diese Erkenntnis kann nicht ernsthaft verwundern und schon gar nicht die Anleger, die auf die prima Anlagetipps mit den Filmfonds gehört haben. War das nicht auch eine Bank aus Süddeutschland?
Sicher ist: Egal was die Studie besagt, auch die Hypovereinsbank wird deswegen nicht plötzlich lauter Ü50-Stellenbewerber einstellen. Diejenigen, die nicht zuallererst und ausschließlich an die eigene Karriere denkt – statt an die Interessen ihrer vermögenden Kunden. Denn deren Gehalt ist einfach zu hoch.
genau, genau.
hab den artikel sofort als freundliche warnung an meine bank geschickt.
die macht diesen fehler in regelmässigen abständen.
bin gespannt wann das nächste mal.
dann aber wieder ohne mich. aber vielleicht hilft ja eine teure studie.