Über enttäuschte Mitarbeiter berichtete mir Franz-Josef Schillo, Wirtschaftsstrafrechtler der Top-Kanzlei Nörr Stiefenhofer gerade, wie die Rache des Kanalarbeiters auch aussehen kann. Dass es Ex-Mitarbeiter gibt, die im Job menschlich so enttäuscht werden, dass sie sich auf ihre Weise wehrten. Der Fantasie ist da keine Grenze gesetzt.So berichtet der Dresdner Schillo von einer Ostdeutschen, die Mails fakte und dabei vortäuschte, dass der Kollege sie sexuell belästigt habe. Tatsächlich hatte der angeblich Belästigende die Dame zuvor sitzen lassen. So eine Idee kann eine ganze Manager-Karriere ganz schnell beenden, seine Ehe aufs Spiel setzen und obendrein dem Ruf der Firma mächtig schaden. Ganz gefährlich wird es, wenn Enttäuschte richtig perfide vorgehen, hat Wirtschaftsstrafrechtler Schillo erlebt: So war einem Thüringer in der Logistik eines größeren Produktionsbetriebes sein Arbeitsvertrag mehrmals befristet und verlängert worden. Doch plötzlich erfuhr er einige Wochen vor Vertragsablauf, dass es keine weiteren Verlängerungen mehr gäbe. Der Mann bekam kein Lob mit auf den Weg, kein Abschiedswort oder auch nur eine Begründung – und das alles, obwohl er unbestritten gut gearbeitete hatte.
Doch es kam knüppeldicke: Der Mann kannte sich gut aus mit IT, hatte nicht nur wichtige Dateien verschwinden lassen, sondern Dokumente und Mails präpariert mit Aussagen, die es so nie gegeben hatte. Gesprächsprotokolle, die nichts mit der Realität zu tun hatten. Alles Fälschungen. Es entstand der Verdacht, dass an höheren Stellen der Firma nicht ordentlich gearbeitet worden war und der Firma dadurch ein riesiger Schaden entstanden sei. Diesen Eindruck vom Tisch zu wischen, kostet viel Zeit und Geld – und ist zermürbend.
Wenn es überhaupt geht. Denn ein Unternehmen bekam von einem enttäuschten Mitarbeiter – der Mann war verärgert worden – das ganz besondere Ostereier ins Nest gelegt. Und zwar in Form von Kinderpornos. Der Mann sorgte dafür, dass ein anderer Mitarbeiter auf seinem PC plötzlich Kinderpornos hatte. Und dann wird’s außerordentlich heikel: denn der Besitz genügt, damit das Unternehmen plötzlichen Besuch von der Staatsanwaltschaft samt Polizei bekommt – zumal die ständig das Netz durchforsten nach diesen Dingen. Der Weg von außen ins Firmennetz hinein kann reichen, damit die Polizei es mitbekommt. Der kompromittierte Mitarbeiter geriet mächtig unter Druck, vom Chef wie von der Ehefrau. Nur mit detektivischer Kleinarbeit und Glück kam er da wieder heraus.
Es kann auch anders herum gehen: der enttäuschte Mitarbeiter rächt sich an sich selbst.
Ein Russlanddeutscher, der hier von einer neuen Existenz träumte, verliert bei der Arbeit eine halbe Hand, weil der Betrieb an den Sicherheitsvorkehrungen gespart hatte. Die ganze Sache wird auf Bitten der Firma ohne BG
„erledigt“ und der Mann meint, dass sich seine Loyalität zur Geschäftsführung durch eine besondere Sicherheit des Arbeitsplatzes auszahlen würde. Kurze Zeit später wird der Mann, der sich im stillen Einvernehmen über die Sicherheit seines Arbeitsplatzes mit der Firmenleitung wähnte, entlassen. Er geht nach Hause ist wie gelähmt, redet kein Wort mehr für ein paar Tage. Dann findet ihn seine Frau. Er hatte sich erhängt.
Wenn wir jetzt über den Wert dieses Mitarbeiters und den seiner Vorgesetzten sinnieren ist es zu spät.
Richtig haarig kann es werden, wenn eine nachtragende Führungskraft nach dem Ausscheiden richtig hinlangt.
Wenn selbige etwa bei einem mächtigen Konkurrenzunternehmen oder einem wichtigen Abnehmer der Produkte der alten Firma an maßgeblicher Stelle anheuert.
Der Schaden läßt sich dann oftmals nicht mehr reparieren.