Zwangsbeglückung ist tabu. Dass Unternehmen für ihre Produkte Werbung machen, ist in Ordnung. Keine Frage. Aber dass man als Kunde auch noch investieren muss in die Werbung anderer, das ist nervtötend. Und schon gar keine wertvolle Lebenszeit. Das bringt einen obendrein nur gegen den Werbenden auf. Und dass die Kunden gezwungen werden, Marketing-, Werbe oder einfach Kostensparmassnahmen von Unternehmen abzuwarten, ihre wertvolle Zeit zu verplempern, somit unfreiwillig zu investieren, nur damit der Absender Kosten sparen kann, das geht zu weit.
Die Zwangsberieselung im Kino zur besten Sendezeit mit bis zu 60 Minuten Werbung und dergleichen bevor einem endlich der Hauptfilm vergönnt ist, die kann man beantworten. Indem man sich DVDs zuwendet und Herr seiner Zeit bleibt – und die Ausgaben für Parkhäuser und Popcorn spart.
Nur gelingt dies Flucht nicht überall. Zum Beispiel die Stadtsparkasse Düsseldorf, die ansonsten zur Zeit hauptsächlich mit Verona und Franjo Pooth von sich reden macht. Nachdem die Kunden heute also alle darauf gedrillt sind, ihre Kontoauszüge am Auszugsdrucker vor den Hallen der Geldverleiher brav selbst ausdrucken zu lassen, nutzt das Geldinstitut die Situation auch noch schamlos aus. Bevor der Kunden in den Apparat tippen kann, was er braucht – etwa seine Kontoauszüge – ist er erst mal gezwungen, geduldig abzuwarten, was ihm da am Bildschirm an wenig unterhaltsamer Werbung für Immobilienkauf etwa oder was auch immer vorgeführt wird. Ohne jede Belohnung. Hat man das nun also abgewartet und die langweilige Werbebotschaft konsumiert – worauf man angesichts der Leute hinter einem in der Warteschlange so gar keine Lust hat -, kommt die nächste Verzögerung. Bevor man seine Kontoauszüge endlich in den Händen hält und den unwirtlichen verglasten, stickigen Vorraum wieder verlassen darf, druckt der Automat und druckt und druckt. Und zwar außer den eigenen Auszügen irgendwelche Mitteilungen, die einem die Sparkasse glaubt, machen zu müssen. Ohne Porto bezahlen zu müssen wohlgemerkt. Und ohne jede Eintüt- und weitere Personalkosten. Je Mitteilung kommt dann ein ganzes Blatt aus dem Automat gerattert. Langsam. Abkürzen klappt auch nicht, denn die einzelnen Blätter Auszüge kommen am Ende erst alle zusammen heraus. Abbrechen erlaubt auch der Vertragspartner, das Geldinstitut nicht. Strammstehen ist angesagt. Die vergeblich investierte Wartezeit nervt, die Belohnung bleibt abermals aus und man muss sich auch noch um die kurzfristige Entsorgung kümmern. Und das rtun wohl die meisten rasch: Diese Mitteilungen scheinen viele Kunden zu stören – das zeigen die Papierkörbe in diesen unangenehmen Räumen. Die sind voll von diesen Kontoauszügen mit den Botschaften der Sparkasse, auf die anscheinend keiner scharf ist.
Da lobt man sich die Pop-Ups im Internet, die kann man wenigstens wegklicken und muss sie nicht minutenlang ertragen. Die geraten schon eher zum Wettrennen. Um nur ja nicht zwangsbeglückt zu werden.
Da lobe ich mir die Tagszeitung, die man einfach umblättern kann oder Weggucken und Umblättern – ohne Zeit zu verlieren. Oder Werbung im Briefkasten – auf die braucht man wenigstens nicht noch warten. Oder TV-Werbepausen, die das Signal für den Gang zum Kühlschrank geben oder fürs Wegzappen.
Besonders verblüfft hat mich vor wenigen Tagen ein Anruf. Er kam von Bofrost, dem Tiefkühlkost-Lieferanten. Genaugenommen seiner blechernen Else. Ein Tonband quatschte mich an, dass man mich erinnern wolle an den bevorstehenden Liefertermin – den man mir im übrigen bereits per Postkarte angekündigt hatte. Muss das denn sein? Man rennt in Richtung Telefon in Erwartung eines Menschen, der einem etwas Ernsthaftes zu sagen hat, von Mensch zu Mensch – und wird damit konfrontiert, dass es nur eine Bandansage war, die einen aus irgendeiner Beschäftigung herausgerissen und unterbrochen hat. Da sind mit SMS-Botschaften vom Otto-Versand & Co. aufs Mobiltelefon deutlich lieber. Die lassen sich wenigstens ruckzuck erledigen und stören auch nicht so sehr.
Ich glaube nicht, dass diese Unternehmen umgekehrt begeistert wären, wenn ihnen die Kunden die bezahlte Arbeitszeit ihrer immer weniger werdenden Mitarbeiter blockieren und stehlen würden.