Wenn Intriganten Strafe zahlen müssten

Am Highway zwischen Montreal und Toronto stehen unübersehbare Warntafeln: Wer die erlaubte Geschwindigkeit von 100km überschreitet, den erwarten bei 120km 95,– kanadische Dollar Strafe, bei 130 km 220,– Dollar und bei 140 km immerhin 295,– Dollar. Diese glasklare wie empfindliche Strafandrohung wirkt – und sorgt für äußerste Disziplin. Zumal die Zu-Schnell-Fahrer – von Rasern nach hiesigen Maßstäben wären die weit entfernt – von der Polizei auch sehr konsequent verfolgt werden.
Mit Erfolg. Auf rund 2600 gefahrenen Kilometern habe ich keinen einzigen Crash gesehen.
Ich träume: würde das vielleicht auch gegen Übeltäter im Job helfen?Richtige Konsequenz in so manchem Unternehmensalltag gegenüber Wissenshortern, Klima-Verpestern, Unprofessionellen, Ungehobelten und Mobbern? Das wäre doch was: Große Tafeln in den zentralen Räumen der Firma, den Großraumbüros, den Teeküchen, der Kantine und Konferenzräumen mit Strafandrohungen wie: Kollegen und Vorgesetzten erforderliches Wissen für den Job vorenthalten 200,– Euro – natürlich je Verstoß. Oder: Kollegen-Beleidigung 200,– Euro. Nicht-Grüßen auf dem Gang von Kollegen 75,– Euro. Oder: Über Kollegen Lügen verbreiten 200,–Euro, über Kollegen beim Chef Lügen verbreiten 250,– Euro undsoweiter. Setzen Sie die Liste ruhig fort. An dieser Stelle ist – Sie werden es ahnen – natürlich der Arbeitsrechtler gefodert. Wie man so etwas rechtsfest hinbekommt. Durch Verankern im Arbeitsvertrag? In der Betriebsvereinbarung? Oder wo auch immer.
Vorausgesetzt natürlich, die Übertretungen würden auch geahndet. So streng wie die kanadische Polizei es tut – stellen Sie ihr Auto mal neben einem Hydranten ab. Binnen fünf Minuten stehen Sie da nicht mehr alleine sondern neben Ihnen ein weißer Polizeiwagen.
Die unübersehbaren Vorteile solche Strafandrohungstafeln in Firmen nur ein Traum? Das Betriebsklima würde sich bessern, der Umgangston höflicher. Die Arbeit könnte konzentrierter von statten gehen, alles könnte professioneller zugehen. Und vor allem wäre eine Art Selbstreinigungsprozess für Unternehmen die Folge: Miese Charaktere würden im Handumdrehen ihr Gehalt einbüssen, Strafe für Strafe – und von alleine das Weite suchen. Manche müssten satt draufzahlen am Monatsende.
Bei der Sartorius AG in Göttingen gab es mal so eine ähnliche Betriebsvereinbarung. Sie stellte tatsächlich Strafen auf für Mobber oder Wissenshorter. Da musste auch ein Meister gehen, als dieser einen Mitarbeiter unter Druck setzte, weil der eine Wahrheit aussprach, die der Firma half – aber eben für ihn als Chef peinlich war. Mir ist nicht bekannt, dass dieses Beispiel Schule gemacht hat.

5 Kommentare zu „Wenn Intriganten Strafe zahlen müssten“

  1. Soviel Platz für die ganzen Schilder hat doch keine deutsche Firma, dafür müssten ja ganze Hallen neu gebaut werden.

  2. Oder man ist einfach genervt über die nächste unnötige Vorschrift und den nächsten Zwang.
    Glauben Sie ernsthaft, mit einem Zwang zu aufgesetzter Höfflichkeit das ehrliche Vertrauen und die gemeinschaftliche Motivation im Büro zu erhöhen?

    Eher dürfte das Gegenteil eintreten, man stöhnt noch stärker über die Heißluftfabrikanten an der Spitze oder der Human Ressource…

  3. Stellen wir noch eine Polizeistreife für jeden Mitarbeiter ein, die ihm gen ganzen Tag auf die Finger schaut und auf Einhaltung der Vorschriften achtet.

  4. Interessantes Menschenbild steckt hier zwischen den Zeilen: Ohne Regeln (explizite natürlich, ins Detail ausformulierte!) kein Miteinander; ohne Strafen kein Einhalten der Regeln. Ein Unternehmen in dem diese Vorschläge umgesetzt würden, wäre eine wahrgewordene, düstere, totalitäre Zukunftsvision. Am Besten überall Kameras und Mikrofone, um Beweismittel zu sammeln, gell? Mich gruselts.

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