„Würde mich nur jemand fragen, wäre meine Firma erfolgreicher“, glauben 73 Prozent aller Angestellten. Nur leider scheint niemand sie zu fragen, wenn Unternehmensentscheidungen anstehen. Denn genau so haben bei einer Umfrage unter rund 12.000 Mitarbeitern in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei einer Online-Umfrage im Dezember 2013 von Haufe – dem Freiburger Verlag – geantwortet.
Und diese Antwort gaben drei Viertel – egal welche Position sie haben, egal aus welcher Branche sie kommen, egal wie groß ihre Company ist und egal ob sie eine Führungsposition innehaben oder nicht.
Entsprechend wünschen sich 69 Prozent der Befragten, dass sie tatsächlich mehr Verantwortung übernehmen und die Entscheidungen ihre Unternehmens stärker beeinflussen könnten.
Unentdeckte Effizienzsteigerungsmöglichkeiten
Und, jetzt kommts: Genau das würde die Leistungsbereitschaft von 77 Prozent der Befragten und ihre Motivation steigern.
In Detail: Jeder zweite Befragte (48 Prozent) glaubt, dass er Wissen oder Kompetenzen hat, die für das Unternehmen wichtig sind.
Ob das auf breiter Front so gesehen wird? Mein Eindruck ist nein, aber andere sind da optimistischer: „Unternehmen begreifen ihre Mitarbeiter zunehmend als aktive Teile der Organisation, als Mitunternehmer mit wichtigen Kompetenzen und erfolgskritischem Wissen“, glaubt Marc Stoffel, Geschäftsführer von Haufe Umantis, dem IT-Pionier und Spin-Off der Uni St-Gallen, der zum Haufe Verlag gehört. http://www.haufe-lexware.com/mediengruppe/marken-unternehmen/haufe-umantis-ag/

Marc Stoffel, Geschäftsführer Haufe-Umantis
Denn „die Mitarbeiter sind näher an den Kunden und Märkten, sie können Nachfrage und Produktentwicklung oft besser einschätzen“, weiß Stoffel. Und wegen dieses Know-hows könnten Arbeitnehmer wesentlich den Unternehmenserfolg heben – wenn man sie nur ließe.
Dazu kommt: Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt, wenn sie in Entscheidungen eingebunden werden und dabei auch Entwicklungsmöglichkeiten für sich selbst erkennen.
Ziel der Übung: Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern Vertrauen entgegen bringen und ihnen Mitgestaltung ermöglichen.
Unternehmen schlagen damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Nicht nur dass die Unternehmensentscheidungen besser werden. Sondern auch die Entscheidungsqualität, die Reaktionsfähigkeit der Organisation und die Motivation der Mitarbeiter steigt. Vor allem aber „fühlen sich Mitarbeiter wertgeschätzt, wenn sie in Entscheidungen eingebunden werden und Entwicklungsmöglichkeiten für sich erkennen“, so Stoffel. Wer das missachtet, riskiere über kurz oder lang seine eigene Wettbewerbsfähigkeit – eben wegen des mangelnden Engagements der Belegschaft.
48 Prozent der Mitarbeiter sind sich – so die Umfrage – sicher, dass sie Kompetenzen haben, die für ihr Unternehmen wichtig sind.
Kein gutes Zeugnis stellen die Befragten ihren Vorgesetzten aus – was wiederum an die Gallup-Studie 2013 erinnert: Weniger als die Hälfte der Befragten (42 Prozent) glaubt, dass ihr Vorgesetzter gewählt worden wäre, wenn die Vorgesetzten in seinem Unternehmen von den Mitarbeitern gewählt werden könnten.
Das bedeutet: „Die Mehrheit der befragten Mitarbeiter wünscht sich demzufolge einen kompetenteren Chef“, analysiert Stoffel.
Die Wurzel allen Übels ist eigentlich bekannt: Die fachlich besten Arbeitnehmer werden befördert – obwohl „die fachspezifische Qualifikation für eine gute Führung nicht ausschlaggebend ist“, so Stoffel. Denn tatsächlich seien andere Qualitäten nötig wie soziale Kompetenz oder die Fähigkeit, richtig zu priorisieren und zu delegieren. Fehlentscheidungen sorgen für Frust bei den Mitarbeitern und sinkende Motivation.
Das Prinzip, der beste Schraubendreher wird Chef, feiert fröhliche Urständ. Immer noch. Willkommen im vergangenen Jahrhundert. Dass Mitarbeiter Mitentscheider sein können, ist in den meisten Chefetagen noch nicht angekommen.
Die Kernfrage lautet also: Ist jemand Chef, so von oben herab? Oder ist er Anführer? Selbst vorneweg, inmitten seines Teams und sich dasselbe zumutend wie seiner Belegschaft. Das ist sicher anstrengender – aber eben auch wirksamer.
Das Konzept von Haufe Umantis, dass Mitarbeiter Ihre Chefs bis hin zum CEO wählen, ist hochinteressant. Doch warum machen das nicht mehr Betriebe? Bislang habe ich darauf noch keine wirkliche Antwort. Fragt man in den oberen Etagen mal nach, erntet man meist ein amüsiertes Lächeln. Aber angesichts der Potenziale für Motivation und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter wie sie die Haufe-Studie ermittelt ist es aus meiner Sicht damit nicht getan. Vermutlich haben viele Unternehmen einfach noch keine konkrete Vorstellung davon, wie sie das umsetzen können.
Warum Mitarbeiter nicht ihre Chefs wählen – dieser Frage geht Herr Stoffel auf der Messe Zukunft Personal in einem neuen interaktiven Format nach. Wer mitdiskutieren möchte, kann dabei seine Meinung absenderneutral in den kollektiven Diskurs zum Thema einbringen. Dabei geht es auch um praktische Fragen, wie Betriebe Demokratisierung praktisch angehen können. Mehr Informationen dazu unter http://www.zukunft-personal.de/FutureLABHR