Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Steelcase-Chef Stephan Derr: „Erbsenzähler – den Spitznamen hatte ich gleich weg“

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ hat Stephan Derr, Vorstand des Büroeinrichtungsunternehmens Steelcase Werndl, beantwortet:

 

Steelcase-Chef Stephan Derr

Steelcase-Chef Stephan Derr

 

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut?

Steelcase gestaltet das Büro der Zukunft für die veränderten Anforderungen der Arbeitswelt. Und wir tun das nicht nur für andere, sondern leben dies auch selbst.

 

Womit beginnt Ihr Arbeitstag und wann?

Typischerweise beginnt er um sechs Uhr morgens mit einem Blick in die E-Mails. So kann ich – bevor der Rest meiner Familie wach wird – schon kurz schauen, ob etwas dringendes ansteht und mit dem Tag warm werden.

 

Wie würden Sie sich selbst als Chef beschreiben?

Meine Stärke liegt im Zuhören. Ich suche das persönliche Gespräch mit meinen Mitarbeitern und kann so verstehen, welche Beweggründe meine Kollegen haben. Erst dann wird entschieden, was das Beste für das Unternehmen ist, aber auch für die einzelnen Mitarbeiter.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Dass ich ein sehr zugänglicher Chef bin. Trotz aller hierarchischer Strukturen bin ich ansprechbar und habe ein offenes Ohr für die Ideen und Meinungen meiner Mitarbeiter. Dazu gehört auch, dass ich kein eigenes Büro habe, sondern mir jeden Tag einen neuen Platz aussuche. Außerdem werden sie wohl sagen, dass man mir noch oft den Kaufmann von früher anmerkt.

 

Tee oder Kaffee?

Kaffee.

 

Ihr Spitzname ist…?

Erbsenzähler. Den hatte ich gleich weg, als ich bei Steelcase angefangen habe. Bei meiner ersten Präsentation mit Vertriebskollegen sprach ich über die Zahlen für den deutschen Markt. Weil es mir darum ging, dass man ganz genau hinschauen soll, habe ich zuvor ein Bild mit lauter Erbsen gezeigt und die Kollegen auch gefragt, wie viele es denn seien. Es waren übrigens 37.

 

Verraten Sie eine Marotte?

Ich mache mir sehr oft Notizen, egal ob am Rechner oder Handy. Damit erwecke ich manchmal den Eindruck, dass ich eine E-Mail schreibe. Mein Gegenüber wundert sich dann, warum ich scheinbar abwesend bin. Aber ich muss mir meine Gedanken in dem Moment aufschreiben, wenn sie kommen.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Wir haben in den letzten Jahren vieles im Vertrieb verändert. Einiges hat funktioniert, manches aber auch nicht. Mich bringt es zur Verzweiflung, wenn Probleme, die bei diesen Veränderungen auftauchen, zwar gesehen, aber nicht offen adressiert werden. Das kann ich nur schwer aushalten.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Ich bewahre sehr lange die Ruhe und überlege mir meine Antworten und Handlungen ausführlich. Das kann andere manchmal etwas aus der Fassung bringen, wenn ich so lange ruhig bleibe und nicht ausflippe.

 

Was möchten Sie gerne im Ruhestand machen?

Ich würde gerne zwei Dinge miteinander verbinden. Reisen (und dabei viele unterschiedliche Weinanbaugebiete kennen lernen) – und mich ehrenamtlich betätigen in der Weiterbildung (die Integration von jungen Flüchtlingen wird uns noch fordern).

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Vor allem Offenheit und Begeisterungsfähigkeit. Wenn jemand mit Herzblut und Leidenschaft bei der Sache ist, finde ich das gigantisch. Da kann ich immer noch anderer Meinung sein, aber eine solche Begeisterung finde ich super.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Frank-Jürgen Weise, Leiter der Bundesagentur für Arbeit und des BAMF, hat im Augenblick einen sehr herausfordernden und spannenden Job. Genauso aber auch die Polizisten, die an der Grenze mit den Flüchtlingen zu tun haben. Einerseits haben sie einen Auftrag zu erfüllen, andererseits zeigen sie auch Menschlichkeit. Eine schöne Aufgabe, wie ich finde.

 

 

Steelcase_Armband_rev (3)

Das Armband hat Stephan Derr von seinem Sohn geschenkt bekommen, weil er ihm unbedingt etwas basteln wollte. Das Band soll Glück bringen und Derr soll es tragen, bis es auseinander fällt.

 

Ein Kommentar zu „Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Steelcase-Chef Stephan Derr: „Erbsenzähler – den Spitznamen hatte ich gleich weg““

  1. Wir pflegen bei Steelcase in Deutschland eine sehr offenen und ehrliche Unternehmenskultur. Wir verlieren gemeinsam und gewinnen gemeinsam.
    Stephan lebt das vor, fordert das aber von jedem von uns auch ein. Das schätze ich als Mitarbeiter sehr.

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