Zum Weltfrauentag und im Vorfeld der Buchmesse in Leipzig hat die Bücher-Kommunikationsexpertin Margarete Schwind für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Initiative Vorsicht Buch!
Statements wichtiger Frauen der Branche gesammelt. Wie sie als Frau Karriere gemacht haben und obendrein noch Familie und Ehrenämter wuppen. Aber auch, dass sich Frauen selbst im Wege stehen und wie schwer es ist, sich durchzusetzen. Oder dass die Top-Etagen nur mit Männern oder kinderlosen Frauen besetzt sind.
Wer in Leipzig bei der Buchmesse ist, erfährt mehr bei der Veranstaltung „Von Networking bis Selbstmarketing“ am 18. März um 15 Uhr in Halle 5 an Stand E6000.

Elisabeth Sandmann
„Andere fürchten, man könne schwanger werden“
Elisabeth Sandmann, Verlegerin und Geschäftsführerin Elisabeth Sandmann Verlag, hat einen Sohn (25): Vereinbarkeit von Beruf und Familie? „Frauen zwischen 25 und 35 haben bei Einstellungen das Problem, dass man befürchtet, sie könnten schwanger werden.“
Wie sie dahin kam, wo sie steht? „Durch Förderung, Glück, Disziplin, Begeisterung, eine Vision, eine gute Ausbildung – und vor allem: ein klares Ziel.“
Was sind Ausschlußkriterien für Karrieren? „Die Jobs werden einfach anders vergeben, weil die Bewerberin schwanger werden könnte. Das ist einfach ein Kriterium. Wenn die Balance zwischen Beruf und Familie stimmt, ist es natürlich ideal, aber in echten Top-Positionen ist genau dieser Balanceakt noch immer sehr einseitig schwankend.“

„Nie den Tag verplanen, er endet ohnehin anders als gedacht“
Svantje Meininghaus, Geschäftsführerin Nordbuch Marketing, zwei Kinder (19 und 21), politische und Ehrenämter: Ihr Tipp: „Im Job? Handy, Laptop, Bleistift. Im Leben? Humor, Kraft und Geduld. Und den Tag nie zu 100 Prozent verplanen – er endet meist anders, als gedacht.“
Frauen auf dem Vormarsch
Kolb-Klausch, Geschäftsführung Mediacampus Frankfurt und Bildungsdirektorin Börsenverein des deutschen Buchhandels, ein Sohn (21):
„In unserer Branche sind immer mehr Frauen – vor allem junge Frauen – in führenden, auch Top Positionen. Vor allem auch Frauen mit Kindern. Rollenverhältnisse haben sich wie selbstverständlich weiterentwickelt und vielfältige Familienszenarien sind möglich.“

Stephanie Lange
Stephanie Lange, Geschäftsführung Hugendubel mit einem Sohn (11) und einer Tochter (12): Wie sie ankam, wo sie ist: „Ich bin in einer Zeit in die Berufslaufbahn eingestiegen, in der die Durchlässigkeit auf Grund der guten Marktkonjunktur sehr hoch war. Es wurden einfach Menschen mit Engagement gesucht und ich war zur Stelle.“
Vereinbarkeit von Beruf und Familie? „Die Medien und die Gesellschaft sorgen für immer währenden Druck, alles richtig zu machen. “
Was sind Ausschlußkriterien für Karrieren? „Männer setzen sich in Wettbewerbssituationen immer noch besser durch als Frauen. Und deshalb werden Führungsplätze häufig von Männern besetzt.“

Sabine Schönfelder
Frauen stehen sich oft selbst im Weg
Sabine Schönfelder, Verkaufsleiterin Lehmanns Media, sie hat zwei Kinder, 23 und 20 Jahre: Sie findet, dass „sich Frauen häufig selbst weniger zutrauen als das Männer tun. Will heißen: Frauen stehen sich da oft selbst im Weg.“
Vereinbarkeit von Familie und Beruf? „Das ist immer noch eine Herausforderung, denn Kinder zieht man nicht mal so nebenbei groß. In meinem Fall haben mein Mann und ich anfangs die Rollen getauscht, erst habe ich fünf Jahre Erziehungszeit übernommen, dann er.“
Wie sie dahin kam. wo sie steht: „Ich habe mich Unternehmen von der Basis aus hochgedient und wurde für weitere Entwicklungsschritte schlicht angesprochen/gefragt. Erst zur Leitung einer Niederlassung, schließlich zur Regionalleitung und dann zur Verkaufsleitung.“

Maria Scholz
„Auf Leitungsebene nur Männer oder kinderlos“
Maria Scholz, leitet Marketing & Vertrieb Govi Verlag, sie hat einen Sohn (11) und eine Tochter (13): „Ich erlebe keine weibliche Branche, zumindest nicht im Bereich Fachmedien. Dort gibt es auf Leitungsebene fast nur Männer. Die Frauen, mit denen ich auf dieser Ebene zusammenarbeite, sind alle kinderlos. “
Wie sie dahin kam, wo sie steht? „Ich hatte keinerlei Kontakte in die Buchbranche, kannte niemanden, der im Buchhandel oder Verlag arbeitete. Ich liebte Bücher und habe mich direkt nach dem Abi einfach auf den Weg gemacht: Ausbildung im Buchhandel, Studium der Buchwissenschaft, Germanistik und BWL, Stipendium an der Uni, Beginn der Verlagstätigkeit im Bereich Fachmedien, dann Marketingleiterin, jetzt Marketing, Vertriebs- und Versandleiterin. Ebenso bin ich Lehrbeauftragte der Universität Mainz, Institut für Buchwissenschaft. Geholfen haben mir meine Fachkenntnisse, meine Liebe zur Buchbranche und mein dickes Fell.“
Leicht hyperaktive Tendenzen und ein paar Zufälle
Christiane Frohmann, Verlegerin orbanism, Frohmann Verlag, zwei Kinder: „Die meisten klassischen Verlage werden immer noch von Männern geleitet, aber eben nicht alle, und viele der innovativen Digitalverlage werden von Gründerinnen geführt.“

Christiane Frohmann (Foto: privat)
Wie sie dahin kam, wo sie jetzt steht? „Durch ein Literaturwissenschafts-Studium, viele Jahre Lektoratserfahrung, das Internet und die Menschen darin, ein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen, Offenheit und Flexibilität, leicht hyperaktive und megalomane Tendenzen sowie ein paar Zufälle.“

Marlies Hebler
„Eine ordentliche Portion Durchhaltevermögen“
Marlies Hebler, Director Business Relations, Bookwire ist Beiratsmitglied der Buchkinder Leipzig und aktives Mitglied der Frankfurter Arbeitsgruppe „SpeakOut“, die Sprachunterricht für Flüchtlinge gibt.
Wie sie dahin kam, wo sie ist? „Man braucht eine ausgewogene Mischung aus Leidenschaft für die Sache, viel Neugierde für Neues und Ungewöhnliches, wunderbare Wegbegleiter und eine ordentliche Portion Durchhaltevermögen, wenn der Weg mal holprig wurde.“
Was sind Ausschlußkriterien für Karrieren? Sie werden meist von oben definiert und verselbständigen sich dann im Unternehmen. Ob es um Frauen mit Kleinkindern oder Migrationshintergrund geht, ob sie einen oder keinen Doktortitel haben, oder sie einfach nur kein lupenreines Hochdeutsch sprechen: Sie werden leider immer noch skeptisch beäugt, wenn es um die Frage geht, ob „die das Zeug für Größeres hat“. CEO´s sollten sich auf die Potenziale der Person einlassen, die ihnen im Bewerbungsgespräch gegenüber sitzt, statt weiter an den gläsernen Decken in ihrem Unternehmen herumzuschrauben.
Machtgezerre und Allianzen

Anke Hardt, Leiterin Kundenmanagement Buchhandel Verlagsgruppe Random House mit einem Sohn (2) und einer Tochter (7): Frauen haben „ein gutes Gespür, Bauchgefühl und nach vielen Jahren des Machtgezerres mit dem Handel immer mehr Allianzen und partnerschaftliches Arbeiten. Das klingt doch nach einer weiblichen Branche.“
Vereinbarkeit von Beruf und Familie? „Ich erlebe leider vermehrt, dass viele Frauen nach Ihrer Elternzeit nicht wieder richtig ins Berufsleben einsteigen oder sehr lange aussteigen. “
Wie sie dahin kam, wo sie ist? „Eigentlich relativ straight. Bereits zu Abitur-Zeiten wusste ich, dass ich gerne mal im Verlag arbeiten würde. Dann sehr klassisch Germanistik und eher unklassisch noch BWL dazu. Außerdem hatte ich Glück mit Arbeitgebern und Vorgesetzten, die mir viel Freiräume und Vertrauensvorschuss gegeben haben.“
In aller Ruhe gestapft und ältere Fahrensleute um Rat gebeten

Monika Osberghaus
Monika Osberghaus, Geschäftsführerin Klett Kinderbuch Verlag, ein Sohn (13).
Wie sie dahin kam, wo sie steht? „Ich bin in aller Ruhe dahin gestapft, einen kleinen Schritt nach dem anderen. Ich bin der Langeweile ausgewichen und dem gefolgt, was mich bewegt und angeregt hat, habe mich bei meinen Entscheidungen also eher an meinen Wünschen orientiert als an meinen Ängsten. Das bedeutete auch, hier und da ein Risiko einzugehen. Wichtige Komponenten waren darüber hinaus die Möglichkeit, Fehler zu machen und ältere Fahrensleute der Branche vertraulich um Rat zu bitten. Beides habe ich ausgiebig genutzt. Außerdem brauchte ich natürlich eine gehörige Portion Glück. All dies gilt übrigens auch weiterhin.“
Vereinbarkeit von Beruf und Familie? „… immer noch ein großes Problem, so lange die Männer nicht mitmachen.“

Silvia Maul
Leidenschaft für Inhalte
Silvia Maul, 53, Geschäftsführerin und Key Account Managerin forum-independant: „Mit Leidenschaft für Inhalte, Engagement für deren Verbreitung, Kontinuität im Handeln und hoher Kontaktbereitschaft sehe ich gute Chancen auf Karriere in der Buchbranche. Ein Buch ist mehr als ein Produkt – die Herausforderung ist, Überzeugung und Wirtschaftlichkeit zusammen zu bringen.“
Fotos: privat beziehungsweise Gisela Schenker