Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Johannes Zwick, Inhaber und Aufsichtsratsvorsitzender der Rehakliniken Johannesbad Gruppe.

Johannes Zwick (Foto: Presse)
Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.
Gesundheit ist unser Leben – wir sorgen in unseren neun Rehakliniken, den sieben Hotels, der Berufsfachschule und unserem Zahnarztverbund dafür, dass Menschen gesund werden oder bleiben.
Womit beginnt Ihr Arbeitstag?
Früh mit Sport um sechs Uhr. Mal gehe ich joggen, mindestens fünf Kilometer, mal mache ich Krafttraining, mal Stretching. Auch auf Reisen. Und dann frühstücke ich Müsli mit Chiasamen, Gojibeeren, Obst und Joghurt. Immer öfter suche ich meine Brille und werfe den ersten Blick in verschiedene Tageszeitungen.
Wie würden Sie sich selbst als Chef beschreiben?
Ich bin direkt; wenn ich Neues umsetzen will, soll das schnell passieren. Wenn ich zum Beispiel mit Alfons Schuhbeck spreche und wir über Ingwer und Kurkuma philosophieren, greife ich danach durchaus zum Telefon und rede mit dem Küchenchef. Ich bin gerne an unseren Standorten, dann höre ich mir an, was die Leute zu sagen haben. Wenn meine engsten Mitarbeiter Geburtstag haben, rufe ich an und schenke ihnen ein Buch, Theater- oder Musikfestivalkarten, Blumen oder Süßes. Ich sage immer deutlich, was mir passt – und nicht. Das dürfen Mitarbeiter auch. So wie in den Aufsichtsratssitzungen, die sind kein Altherrengremium. Da muss ich manchmal gegenüber meinen Söhnen zurückstecken.
… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?
Ich hoffe Ähnliches wie oben. Aber ich weiß: Wenn Mitarbeiter einen Termin bei mir haben, kommen sie oft mit einem schlechten Gewissen. Sie haben Sorge, dass etwas schief gelaufen ist. Das ist meist nicht der Fall. Ich will meine Ideen loswerden, Neues anstoßen. Das trägt zu meinem Image als neugierigem Antreiber bei. Ich kann schlecht stillsitzen – gerade bei langen Meetings werde ich unruhig. Manche Mitarbeiter denken dann vielleicht: „Jetzt dreht er wieder durch.“ Das stört mich aber nicht. Ich will Ergebnisse sehen, langes Theoretisieren macht mich sehr ungeduldig.
Tee oder Kaffee?
Tee.
Ihr Spitzname ist…?
Känguru – so nannte mich mein Deutschlehrer. Ich bin in der Schule immer über die Bänke gehüpft; er ist hinter mir her geflitzt, hat mich aber nie erwischt.
Verraten Sie eine Marotte.
Ich gehe gerne in ein Spa. Dazu gehört auch der Besuch bei einem Barbier. Das ist absoluter Luxus und Wellness pur. Danach bin ich ein anderer Mensch. Und: Unerwartet ins Theater gehen, wenn ich daran vorbeigehe…
Was bringt Sie in Harnisch?
Notorische Nein-Sager und Schnarchnasen. Auch beim Autofahren – wenn einer mit 120 Stundenkilometer auf der linken Spur fährt, steigt mein Blutdruck. Ich fahre gern zügig. Und mit platzt der Kragen bei bei undifferenzierter Ausländerfeindlichkeit, nachhaltiger Intoleranz und jedweder Gewalt gegen Schwächere, vor allem Kinder.
…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?
Meine Energie, die fast nicht zu bremsen ist. Ich stelle vieles immer in Frage. Und wenn andere müde werden, bin ich immer noch wach. Ich gehe nicht vor Mitternacht ins Bett. Beim Autofahren bin ich auch schwer zu bremsen: Dabei überbrücke ich lediglich die Lücken in der A94 – auf dem Weg nach Bad Füssing – mit dem einen oder anderen Überholmanöver auf der B12.
Was möchten Sie gerne in Rente machen?
Sport und Reisen. Ich bin kein Luxustourist, nur an Stränden liegen, macht mich nervös. Ich will die Menschen kennen lernen auf Märkten, in Cafés. Ich will jedes Jahr drei Länder besuchen, in denen ich noch nie war. Die letzten Ziele: Laos, Murmansk, Kambodscha, Serbien, Kolumbien. Außerdem will ich öfter ins Theater und in Konzerte gehen. Und meine Kinder und Enkel sehen.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Intelligenz und Erfahrung, aber auch Emotion. Ich unterhalte mich gerne mit Menschen, die Spannendes zu erzählen haben. Und klare Worte – lieber kritisiert mich mein Gegenüber offen, als dass ich im Nachhinein höre, was man über mich denkt.
Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?
Erstens mein tägliches Sportprogramm. Ich habe drei Paar Laufschuhe, ein Paar in der Schweiz mit festem Grip; ein paar für Reisen für die Stadt und noch ein Paar als Ersatz. Zweitens mein kleines rotes Büchlein. Adressen, Termine – alles drin. Das werde ich immer jeder digitalen Lösung vorziehen. Drittens mein Handy – so erreiche ich immer und überall meine Familie, die in Europa und Amerika verstreut ist.
Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?
Manchmal wünschte ich mir, ich hätte mehr Zeit als Arzt verbracht. Oder Kurienkardinal – hinter die Kulissen der katholischen Kirche zu blicken, muss sehr interessant sein. Es ist das größte Unternehmen der Welt, es ist auf allen Kontinenten präsent mit Tausenden von Mitarbeitern, es sind die verschiedensten Volksgruppen vertreten und alle Mentalitäten vorhanden Die Kirche muss das alles vereinen und kann nicht auf ein paar wenige dauernd Rücksicht nehmen – und das schon seit fast 2000 Jahren.

(Foto: Zwick)
„Diese Schuhe habe ich immer im Gepäck“, erzählt Johannes Zwick. Und weiter: „Morgens nach dem Aufstehen sind sie mein erster Begleiter, wenn ich joggen gehe. Einmal im Jahr brauche ich neue – dann sind sie abgelaufen.“