Buchauszug Fabian Kendzia und Lorenz Ritter: „Richtig Falsch arbeiten“ – 50 Regeln, wie man sich (und allen anderen) das Arbeitsleben zur Hölle macht

Buchauszug Fabian Kendzia und Lorenz Ritter: „Richtig falsch arbeiten“ – 50 Regeln, wie man sich (und allen anderen) das Arbeitsleben zur Hölle macht

 

 

„Richtig Falsch arbeiten“ – 50 Regeln, wie man sich (und allen anderen) das Arbeitsleben zur Hölle macht: Becker Joest Volk Verlag, 140 Seiten, 16 Euro https://bjvv.de/Buch/9783954531738-Richtig-FALSCH-arbeiten

 

 

 

Richtig falsch führen
Das Mitarbeitergespräch: Bitte nicht zuhören! 
Die Regel ist einfach: Einer ist der Mitarbeiter. Einer führt das Gespräch. Nämlich Sie. Wenn Sie Mitarbeitergespräche auf diese Art gestalten, werden immer weniger Mitarbeiter Interesse daran haben, eines einzufordern. Damit das gelingt, lassen Sie Ihren eigenen Gesprächsanteil nie unter 90 Prozent sinken. Nehmen Sie jede Äußerung Ihres Gegenübers auf und machen Sie sie zu Ihrem Thema. Versucht Ihr Mitarbeiter seinerseits beharrlich, das Heft in die Hand zu nehmen, begeben Sie sich einfach ins Anekdotische und erzählen Sie aus Ihrer erfahrungsreichen Karriere. Oder wahlweise von Ihrem Hobby.
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Interesse heucheln vs. echtes Desinteresse. 
Manchmal macht es einem der Fortschritt leicht. Musste man früher noch Papier und Stift mit in jedes Mitarbeitergespräch nehmen, um sein Desinteresse durch Strichmännchenkrickeln oder fachgerechte Demontage des Kugelschreibers auszudrücken, können Sie sich heute einfach permanent mit Ihrem Smartphone beschäftigen – vom Immer-mal-wieder-Draufschielen bis zum spontanen Beantworten einer Textnachricht („Momentchen mal eben, sorry!“), gern auch mit einem unterdrückten Kichern beim Tippen. Wirkt in Sachen Demotivation Wunder.
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Zielvereinbarungen – viel fordern, noch mehr vergessen. 
Jeder Mitarbeiter wird in seinem Personalgespräch irgendwann aufs Finanzielle kommen. Dann ist die Kunst des Herumlavierens gefragt. Gestehen Sie dem Mitarbeiter generell zwar mehr Geld zu, aber knüpfen Sie diese Zusage an Bedingungen, die mehr oder weniger unerreichbar sind. Zumindest innerhalb eines Jahres. Diese an sich schon kuriosen Zielvereinbarungen halten Sie im Protokoll fest, Ihrem Mitarbeiter versprechen Sie eine Abschrift. Sollte er Ihre Bedingungen wider Erwarten doch erfüllt haben, leugnen Sie einfach, dass irgendwas Derartiges besprochen wurde. Was Ihnen nicht schwerfällt. Sie haben es ja wirklich vergessen. Und die Abschrift des Protokolls natürlich auch. Tadellos.
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Fabian Kendzia (Foto: Becker Joest Volk Verlag)

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Richtig falsch zusammenarbeiten
Hilfe anbieten statt helfen. 
Kniffliges Projekt, drohende Abgabetermine oder ein bis auf den Gehweg gefülltes Ladengeschäft: Bieten Sie überlasteten Kollegen grundsätzlich Hilfe an. Um dann nur noch kurz was erledigen zu müssen und sich anschließend nicht mehr blicken zu lassen. Ist der Druck dann vorbei, entschuldigen Sie sich und fragen besorgt nach, ob denn alles gut gegangen ist. Eine hochwirksame Mischung aus geheuchelter Fürsorge und nachlässig versteckter Drückebergerei, die dazu führt, dass Sie nichts tun müssen und keiner was dagegen sagen kann. Irgendwann fällt das natürlich auf, vor allem, wenn es immer die gleichen Kollegen trifft. Wenden Sie diese Taktik also eher sparsam an. Die etwas glanzlosere Alternative: Hilfe gar nicht erst anbieten.
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Lebenslanges Lernen. Von Ihnen. 
Gehen Sie immer davon aus, dass niemand so viel Fachwissen hat wie Sie. Schon gar nicht die Kollegen in Ihrer eigenen Abteilung. Deshalb lassen Sie alle an Ihrem Wissen teilhaben. Möglichst unaufgefordert. Wichtig ist dabei, dass Ihre Ausführungen langatmig sind und dass Sie den richtigen Ton treffen: Wenn Sie stets leicht von oben herab in die Kollegen hineinmonologisieren, werden diese denken, dass Sie wirklich ausnahmslos alle für ahnungslose Trottel halten. Was, seien wir ehrlich, ja auch irgendwie stimmt.
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Besser als Wissen: Besserwissen. 
Projektmanagement, Kundenkontakt, Reparatur des Druckers – all das sollten Sie zu Ihrer persönlichen Sache machen. Vor allem wenn Sie eigentlich überhaupt nichts damit zu tun haben. Dabei geht es nicht darum, dass Sie auf allen Feldern einen aktiven und sinnvollen Beitrag leisten, sondern darum, nichts unkommentiert zu lassen. Hängen Sie sich überall rein, haben Sie zu allem, was Ihre Kollegen tun, eine Meinung und wissen Sie sehr, sehr vieles sehr, sehr viel besser. Bleibt darüber vielleicht die eigene Arbeit liegen – perfekt. Richtig falscher geht es nicht.
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Lorenz Ritter (Foto: Becker Joest Volk Verlag)

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Richtig falsch mit Vorgesetzten umgehen
Entscheidend: nichts selbst entscheiden. 
Wofür hat man Chefs? Zuallererst, um Verantwortung abzuschieben. Und zwar die, die eigentlich Sie übernehmen sollen. Zugegeben: Manche Vorgesetzte verlangen von ihren Angestellten das sogenannte eigenverantwortliche Arbeiten. Diese Methode der Mitarbeiterführung ist moderner Management-Hokuspokus. Denn der Haken daran: Sobald Sie eine Entscheidung treffen, könnte es ja eine Fehlentscheidung sein. Deshalb lautet eine der wichtigsten Regeln im Umgang mit Vorgesetzten: alles nach oben delegieren und nichts selbst entscheiden. Alles nachfragen und sich permanent absichern („Chef, Klopapier ist alle, sollen wir nachbestellen?“). Wofür hat man schließlich Chefs?
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Sie sind der Experte. Ein bisschen. 
Gefährliches Halbwissen ist der Feenstaub fürs richtig falsche Arbeiten. Lassen Sie diesen auf Ihren Arbeitsalltag herabrieseln, steht dem Scheitern nichts im Weg. Gefährliches Halbwissen geschickt eingesetzt (also immer), treibt auch Ihren Vorgesetzten in den Wahnsinn. Wichtig dafür ist, dass Sie sich mit den Regeln und Vorschriften Ihrer Branche auskennen. Aber nur ein bisschen. Steht dann eine Entscheidung an, gerieren Sie sich zum Sachverständigen und liefern Ihre halbgare Expertise ab. Natürlich, ohne dass man Sie darum gebeten hat. Schränken Sie Ihre Einschätzung dann sofort wieder ein: „Laut DSGVO geht das so nicht. Glaube ich. Müssen wir den Chef fragen.“ So machen Sie sich wichtig und dem Vorgesetzten Arbeit. Eine klassische Win-win-Situation.
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Chefs führen Angestellte. Sie führen Protokoll. 
Als tüchtiger Arbeitnehmer konzentrieren Sie sich. Jedoch nicht auf Ihre Arbeit, sondern auf Fehler. Und zwar die Ihrer direkten Vorgesetzten wie Teamleiter, Schichtführer oder Vorarbeiter. Führen Sie dafür Protokoll! Notieren Sie jeden noch so kleinen Fehltritt Ihres Vorgesetzten! Kommt es irgendwann zum Konflikt zwischen Ihnen und Ihrem Vorgesetzten, reagieren Sie dank Ihrer Mitschriften ganz gelassen. Und komplett unsouverän. Statt zu Ihrem Fehler zu stehen, zücken Sie das Fehlerprotokoll und halten Ihrerseits dem Teamleiter vor, was dieser auch schon mal falsch gemacht hat. Vor zehn Jahren. Richtig falsch mit Vorgesetzten umgehen auf allerhöchstem Niveau.

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