Quite Quitting ist ein lauter Weckruf für die Arbeitgeber, der Drang nach besserer Work-Life-Balance ernst zu nehmen. Gastbeitrag von Rebecca Swift, der globalen Kreativchefin der US-Bildagenturen Getty Images und iStock über die große Mehrheit, denen ein ausgeglichenes Leben wichtiger ist als finanzieller Erfolg. Und warum das so ist.

Rebecca Swift (Foto: PR/Getty Images)
Quiet Quitting hat nichts mit innerer Kündigung zu tun – auch wenn es auf Anhieb so aussieht
Mit der zunehmenden Sensibilisierung für das Thema Quiet Quitting wird diesem Begriff zunehmend eine negative Konnotation beigemessen. Im Allgemeinen wird der Begriff so beschrieben, dass Mitarbeiter sich nicht über ihre Aufgaben hinaus engagieren wollen. Das allgemeine Verständnis des Begriffs legt nahe, dass es sich bei der stillen Kündigung eher um Mitarbeiter handelt, die sich nicht um ihre Arbeit kümmern, als um Arbeitgeber, die sich nicht um das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter kümmern.
Durch unser VisualGPS-Research – ein Analyseprogramm zur Erkennung von Trends und Stimmungen – haben wir herausgefunden, dass die Mehrheit der weltweiten Verbraucher Angst vor der Zukunft hat. Angesichts von Krieg, Rezession, steigenden Lebenshaltungskosten, der Angst vor einer neuen Pandemie undsoweiter ist es verständlich, dass die Menschen der Zukunft eher pessimistisch entgegensehen.
Der neue Drang, seine Work-Life-Balance zurückzuerobern
Dieser laute Kontext hat sich zudem auf das als leise bezeichnete Verhalten ausgewirkt. Der neue Drang der Menschen, ihre Work-Life-Balance zurückzuerobern, hat jedoch nichts Leises an sich, im Gegenteil, er wirkt wie ein Weckruf an die Arbeitgeber.
Denn auch wenn Quite Quitter ihre Identität von ihrem Arbeitsleben abkoppeln wollen, bedeutet dies nicht, dass sie sich völlig aus ihrem Berufsleben zurückziehen wollen. Unseren Untersuchungen zufolge meinen mehr als 31 Prozent der Menschen in Deutschland, dass es für sie wichtig ist, einen Job zu haben, der ihnen Spaß macht. Dieser Prozentsatz steigt, je jünger die Generationen werden. Mehr als 40 Prozent glauben, dass zu einem erfolgreichen Leben gehört, dass ihre körperlichen, geistigen und emotionalen Bedürfnisse befriedigt werden. Und obwohl beruflicher Erfolg für die meisten nicht die oberste Priorität ist, ist finanzielle Sicherheit nicht verhandelbar.
Fast 80 Prozent der Verbraucher in Deutschland sind nicht bereit, ihren finanziellen Erfolg für ein ausgeglichenes Leben aufzugeben, was bedeutet, dass nur etwas über 20 Prozent dies tatsächlich tun.
Was ideal klingt, ist eine Welt, in der der Einzelne einen Job hat, der ihm Spaß macht, für den er fair entlohnt wird und in dem für seine körperlichen, geistigen und emotionalen Bedürfnisse gesorgt wird. Zugegebenermaßen trifft dies vielleicht nicht auf alle zu, vor allem nicht auf Arbeitnehmer, die sich besonders darum sorgen, genügend Flexibilität zu haben, um sich um ihre Familien kümmern zu können. Der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz, finanzieller Sicherheit sowie körperlicher und geistiger Gesundheit scheinen die entscheidenden Faktoren zu sein, auf die Arbeitgeber eingehen muss, um die schlimmsten Szenarien der stillen Kündigung zu verhindern: völlige Abkopplung und Burnout der Mitarbeiter.
Das Wohlbefinden der Mitarbeiter ernster nehmen
Die aktuelle Forderung, das Wohlbefinden der Mitarbeiter ernster zu nehmen, stellt einen zusätzlichen Druck für die Leiter der internen Kommunikation, die Personalabteilungen und die Inhaber kleiner Unternehmen dar. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass sie damit beginnen, gegen weit verbreitete Missverständnisse anzukämpfen, wie zum Beispiel, dass man beruflich nur erfolgreich sein kann, wenn man an seine persönlichen Grenzen geht, oder dass der Wert einer Person an ihrer produktiven Leistung gemessen wird.
Die Erkenntnis, dass die Arbeit kein wesentlicher Bestandteil der Identität Ihres Mitarbeiters sein muss, ist ein guter Ausgangspunkt, um die Forderung nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu erkennen.
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Das Thema ist aktueller denn je. Dennoch hängt es nicht nur an einer Seite, ob die Arbeit erfüllend wird. Das Thema ist vielschichtig und hängt von vielen Faktoren ab.
Der Perfect Fit, der normalerweise von Arbeitgebern und Arbeitnehmern angestrebt wird, ist abhängig von der Unternehmenskultur, dem Charakter des Arbeitnehmers, der Anzahl der Arbeitsstunden, die Entlohnung, die familiäre Situation des Einzelnen und vielen anderen Faktoren.