„Systematisch Karriere machen“ und das in nur „12 bis 15 Stunden pro Woche“ Aufwand bei „intensiver Begleitung und Direktkontakt zu den Dozenten“. Dieses verlockende Angebot erhielten heute die Tchibo-Kunden per Online-Newsletter. Die Kaffeekäufer können schon im Februar durchstarten auf der Karriereleiter. Und das zu Vorzugspreisen für Tchibo-Kunden.
Ob sich da ein Marketingchef in seiner Zielgruppe vertan hat? Mitnichten, im Gegenteil: Passt ja irgendwie alles prima zusammen: Wer studiert, trinkt sicher viel Kaffee, wenn er über den Büchern brütet. Und wer mit einem Fernlehrgang nach seinem Arbeitstag noch abends und nachts büffelt, braucht noch mehr Kaffee. Das ist auch noch nicht alles: Wer bei Tchibo kauft und jede Woche in der neue Tchibo-Welt die Angebote checkt, macht da etliche Schnäppchen. Nicht nur langweiliges Zeug wie biedere Unterwäsche, sondern sogar Golf- und Reituntensilien gibt es da. Derjenige ist also nicht nur clever – das braucht muss man als Manager ja sein -, sondern kann auch rechnen – das müssen Manager eindeutig auch können.
Und Rabatt gibt’s ebenso beim BWL-Studieren mit Tchibo: Über 16 Prozent nämlich – und das sind in der Summe am Endes des Tages, Verzeihung am Ende des Lehrgangs, 3378 Euro. Das rechnet der Kaffeeröster vor. Und die Krönung: Tchibo schenkt den Managern von morgen auch noch die Prüfungsgebühr von der privaten Fachhochschule Göttingen.
Was fehlt: Der Link zum Online-Bewerbungsformular bei Tchibo. Für später. Wenn die Ausbildung beendet ist und der Absolvent einen neuen Job sucht. Bis die Kandidaten fertig sind, macht sich die Demographie womöglich schon bemerkbar in den Unternehmen, wenn Personalabteilungen aufstocken müssen. Wenn Massenbriefe mit Absagen nicht mehr Hauptteil des Jobs sind – sondern die verzweifelte Suche nach geeigneten Kandidaten und das Werben um sie.
http://www.tchibo.com/corweb/servlet/content/167714/LnderstartseiteDeutsch/Presse/Pressemitteilungen/NonFoodProdukte/Fernstudium.html;jsessionid=08E93F99B74DEB0B52A178A71B8B2A69
tagesschau.de hat sich des Themen jetzt auch angenommen:
http://www.tagesschau.de/inland/tchibostudium4.html
Mehr Details auch bei der süddeutschen zeitung:
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/563/143245/
Daß Verkaufen nicht ganz einfach ist ist allseits bekannt. Warum ausgerechnet Tchibo (brutal) daran erinnert, mit „Manager werden
mit Tchibo“? Marketing soll nicht zufällig auffällig sein, nein, zielsichere
Ideen, immer mehr und neue Ideen müssen her. Wenn der April nur lange
genug vorbei ist, dürfen (normale) Verkaufs-Ideen zurück an den Kunden.
Da Kaffee nicht besoffen macht, – soll die Werbung es versuchen ?
Meine Frage an den Marketingchef.