Davos ist wie Weihnachten

<!– Richard Quest
CNN-Kultmoderator Richard Quest exklusiv für handelsblatt.com über das Weltwirtschaftsforum in Davos (Serie)
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Was machen Sie denn hier?

Jedes Jahr frage ich mich wieder, warum ich da eigentlich hinfahre nach Davos. Dann fällt mir aber ein, dass ich als Journalist hier bin und berichte, was all die versammelten Staatsmänner sagen oder tun. Aber warum kommen so viele Delegierte freiwillig hierher? Sicherlich wäre es doch besser für sie, wenn sie sich zu Hause um ihre Geschäfte kümmern würden.Heute morgen habe ich das offizielle Programm bekommen: Einige der Diskussionsrunden scheinen aktuell und relevant zu sein. So verspricht zum Beispiel das Panel “Brainstorm – What happened to the Global Economy?” sehr spannend zu werden. Andere Diskussionsrunden hingegen, wie “What is Good Design?” oder “Political Art: What Now?” bewegen sich mehr im esoterischen Bereich und scheinen in einer Krisensituation wie der heutigen kaum dringlich zu sein.

Im Empfangs-Foyer habe ich “normale” Delegierte gefragt, warum sie überhaupt nach Davos kommen. Nicht die Hohen und Mächtigen – sondern das mittlere Management, die sowieso den Großteil der Anwesenden in Davos ausmachen.

Einige sagen, sie wollen führende Staatsmänner und Entscheidungsträger treffen, um von ihnen über einen Weg aus der Finanzkrise zu hören (immerhin haben sich ja Leute wie Vladmir Putin, Angela Merkel, Gordon Brown und Wen Jiabao angemeldet). Andere wiederum kommen, um ihre Geschäftspartner oder Zulieferer zu treffen und zu besprechen, was zukünftig getan werden muss.

Sicherlich hat mein Kollege Michael Bishop vom „Economist“ recht, wenn er sagt, dass Geschäftsleute wie Bill Gates, Richard Branson und die Leitung von General Electric in Davos die Chance haben, mit Politikern zusammenzukommen und auf Antworten zu drängen.

Repräsentanten von NGOs und Wohltätigkeitseinrichtungen, wie UNICEF, sind ebenfalls in Davos vertreten, um sicher zu gehen, dass ihre Belange auch in Krisenzeiten nicht vergessen werden. Und selbst einen glücklichen Mann gibt es hier, der sich mit Investoren im Bereich der medizinischen Forschung trifft: Ja, es gibt sie tatsächlich noch, die Interessensgruppen, die Geld haben und investieren wollen.

Die meisten Delegierten kommen seit Jahren nach Davos – diese Veranstaltung ist zum Standardprogramm geworden. Genauso wie man auch in einer Krisensituation nicht aufhört, die Familie an Weihnachten zu besuchen, so kommt man auch in Zeiten der Weltwirtschaftskrise nach Davos: „Jetzt um so mehr“, würden die Delegierten sagen. Gerade in Zeiten wie diesen sollte man nicht daran denken auf die Piste zu gehen, sondern sich ernsthaft auf Diskussionen einlassen.

Aber den wahren Grund der Anwesenheit aller hören wir vielleicht nur von einem asiatischen Delegierten: “Neue Chancen sind die Kehrseite einer Krise.” Eben!
CNN International zeigt täglich um 20:00 Uhr Richard Quests neue Show “Quest Means Business”. Weitere Informationen finden Sie unter www.cnn.com/davos.