Buchauszug Alex Iwan und Frank Lorentz: „Hunde an die Macht. 66 kurze und noch kürzere Geschichten, die zeigen, was Vierbeiner mit Menschen anstellen, die eben noch halbwegs bei Verstand schienen“

Alex Iwan (Foto: Privat)
WER EINEN SOLCHEN HUND HAT, BRAUCHT KEINEN COACH
Yuki & Alex
Neben meinem Büroschreibtisch steht ein ausgeblichenes, auberginefarbenes
Vintage-Sofa mit Messingknöpfen, das schon bessere Tage gesehen hat. (Ich liebe Dinge, die alt sind und Geschichte haben. Perfektion langweilt mich.) Um das Sofa herum befinden sich Arbeiten von Künstlern: großformatige Fotografien, Malerei,
Bücher, Kataloge – mein Büro könnte auch mein Wohnzimmer sein. Im Grunde ist es mein Wohnzimmer. Ich wüsste jedenfalls nicht, was dagegen sprechen sollte, beim Arbeiten zu wohnen und beim Wohnen zu arbeiten.
Rechts von meinem Schreibtisch steht Yukis Körbchen, in sicherer Entfernung, um ihr Schnarchen nicht als Hintergrundgeräusch in den Calls zu haben. Kurz: Yuki und
ich sind für Bürotage bestens aufgestellt. Und bestens aufeinander eingespielt. Genau wie ich dreht sie ihre Runden durchs weitläufige Büro und bleibt an dem einen oder anderen Schreibtisch für einen Schnack oder Snack stehen. Das kommt bei ihr auf die Handtaschenfüllung an. Manchmal nimmt sie einen tiefen Inhalationsriecher, wenn in einer Tasche ein Salamibrötchen steckt.

Frank Lorentz (Foto: Privat)
Zu ihrer Patrouillentätigkeit gehören Mülleimer-Kontrollen sowie Krümel-Weg-Leck-Aktionen. Die anderen anwesenden Bürohunde ignoriert sie. Solange sie nicht mein, also ihr Büro betreten, ist die Welt in Ordnung.
Yukis Obsession sind Meetings, und zwar die, bei denen jemand auf dem alten Sofa sitzt. Kaum haben meine beiden Geschäftsführerinnen dort Platz genommen, erhebt sich Yuki in ihrem Körbchen, kommt, leicht torkelig vom Tiefschlaf, herbei, springt elegant zwischen die beiden und setzt sich. Sitzend sind die drei genau gleich groß, ein herrlicher Anblick.
Yuki hört genau zu und schaut hoch konzentriert, wenn es um einen Strictly-Confidential-PR-Plan für einen Kunden geht. Sie verfolgt jeden einzelnen Redebeitrag und ist ganz bei der Sache, was mich in dem Glauben bestärkt, dass sie alles, was ich
tue, nicht nur scannt, sondern auch versteht. Darüber hinaus ist sie eine Meisterin im Unterscheiden von Nuancen. Werfe ich gegen 17 Uhr mein Handy auf den Schreibtisch, klingt das anders als um 10 Uhr morgens. Es liegen Welten zwischen:
Handy hinlegen, Handy entschlossener hinlegen, Handy auf den Schreibtisch knallen, Handy verfluchen, Handy irgendwohin werfen, zum Beispiel auf das Sofa, vorausgesetzt, dort sitzt niemand.
Yuki weiß, von welcher Energie jede Geste begleitet ist, denkt sich ihren Teil und zieht die Konsequenzen. Manchmal, wenn ich durch bin, es aber nicht wahrhaben will, steht sie auf und tapst Richtung Treppe, zum Ausgang, wie um mir zu bedeuten: mach Schluss für heute, es hat keinen Zweck mehr mit dir. Ganz ehrlich: Sie hat immer recht. Wer einen solchen Hund hat, braucht keine Assistentin und keinen Coach.

HUNDE AN DIE MACHT!: 66 kurze und noch kürzere Geschichten, die zeigen, was Vierbeiner mit Menschen anstellen, die eben noch halbwegs bei Verstand schienen. Ein Buch von Alex Iwan und Frank Lorentz 180 Seiten, 16 Euro, Verlag Fred & Otto
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