Vornehme Worte für knallhartes Feuern

Jetzt springt die WestLB aufs Kündigungs-Karussel auf. Der Nokia-Schock aus Bochum ist mit seinem prominenten Boykott-Aufruf der Nokia-Handys – und das sogar von einem Minister – noch nicht verdaut, da meldet sich schon der nächste Konzern mit neuen Massen-Entlassungs-Meldungen.Der nächste, der sein Heil und seine wirtschaftliche Zukunft im Feuern seiner Mitarbeiter sucht. Wieder ein Konzern, dem offenbar keine andere Management-Strategie für seine Zukunft erfolgversprechend erscheint. Doch was mich am meisten verwundert ist die Tatsache, mit welcher Wortwahl dies – immer wieder – geschieht. Welche sanfte Worte die Presse für harte Massnahmen wählt. AFP etwa vermeldet am Sonntag, 20. Januar um 16:31 Uhr aus Düsseldorf: „Die WestLB will offenbar kurzfristig 2000 Arbeitsplätze streichen. Jeweils 1000 Jobs sollten bei der Landesbank im Inland und im Ausland abgebaut werden, berichtet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf Eigentümerkreise.“
Ist es nicht vielmehr so, dass 2000 Menschen gekündigt, entlassen, – oder drastischer – gefeuert werden sollen? Dass 2000 Menschen ihre Arbeit verlieren sollen und – jedenfalls wenn sie über 40 Jahre alt sind sogar ganz und für immer – aus dem Wirtschaftsleben abgedrängt werden?
Warum umschreibt man diese harten Einschnitte ins Leben derer, die sonst auch als wertvollstes Kapital der Firma gelobt werden, so vornehm? So sehr distanziert. Klingt da etwas mit von „ist mir doch egal“? Oder „zum Glück habe ich meinen Job noch“?