Schulfrei für die Nokia-Demo

In den Rundfunknachrichten kam um 9.30 Uhr heute auf WDR II eine eher ungewöhnliche Nachricht: Dass die Schüler in Bochum heute schulfrei haben, wenn sie denn zur Demo gegen die Nokia-Werksschliessung gehen wollen. Schülern dürfte die Wahl nicht schwer fallen: Demo statt Schulunterricht? Eins zu Null gegen die Penne. Doch gegen wen dies auch noch Eins zu Null ausgeht ist Nokia – stellvertretend für die Konzerne. Die halten in Schulen ohnehin gerne mal als großes Feindbild her je nach Unterrichtsfach.
Da können sich die Großunternehmen jahrelang abmühen, Projekte nach dem Motto Wirtschaft meets Schule aufzusetzen. In einem Handstreich mutieren nun die globalen Konzerne zum Buhmann, mit dem man sich lieber nicht einlässt. Und schon gar nicht als Arbeitnehmer. Merke: Suche Dir lieber einen Job im bodenständigen Mittelstand, wo auch längere Durststrecken mal gemeinsam durchgestanden werden, wo nicht als erstes die Mitarbeiter vor die Tür gesetzt werden. Wo Unternehmer noch ihr privates Kapital nachschiessen, um Mitarbeiter halten zu können – um die richten Leute zu haben, wenn’s wieder weiter geht. Oder selbständig machen. Dies Signal dürfte für die jungen Leute überdeutlich sein.
Facharbeitermangel lässt grüssen. Wenn die Demographiefalle zuschlägt und auch Konzerne nicht mehr unter Hunderten von Initiativ-Bewerbungen auswählen können, sondern sich anstrengen müssen, müssen sie sich doppelt anstrengen: Die Demo-Bilder sind dann im Kopf. Und zwar nicht nur der Betroffenen, sondern auch deren Kinder undundund.
Und wenn Nokia nun den Kopf in den Sand steckt, statt sich der Öffentlichkeit zu stellen – da kann jeder Krisen-PR-Profi nur grinsen.

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