Ruhm und Ehre statt Penunse? Bei einem namhaften Unternehmen arbeiten, unter Tarif oder noch billiger als jahrelanger Praktikant – um in der eigenen Vita einen klangvollen Namen stehen zu haben? Was früher als Investment eine Weile oft akzeptiert wurde, ist heute ein Vabanque-Spiel geworden.Eine Firma, die heute ein gutes Image hat, hippe Produkte und einen tollen Markennamen kann morgen schon dies sein: Insolvent, von einem Private-Equity-Unternehmen übernommen oder geschluckt bei einer Fusion. Und aus ist’s mit dem Super-Arbeitgeber.
Werbeagenturen zum Beispiel sind bekannt für diese Methoden – und bekommen heute bereits ihre Quittung. Sie müssen sich schon anstrengen, um junge Nachwuchskräfte zu finden. Die meisten Berufsstarter haben erkannt, dass ihr eigenes Leben bei diesen strahlenden Namen zu kurz kommt.
Nehmen Sie mal an, ein – zumeist junger – Mensch hat sich auf dieses Spiel bei Siemens‘ Handy-Sparte oder bei BenQ eingelassen, oder bei Nokia. Oder Hoechst oder Mannesmann. Richtig. Der hat nicht mehr viel von dem einst vermeintlich klangvollen Markennamen in seiner Vita. Wenn er überhaupt noch ein Zeugnis bekommt. Von den einstigen Vorgesetzten, denen nun selbst das Wasser bis zum Halse steht und die sicher kein Firmen-Briefpapier mehr haben, auf das sie ein Zeugnis schreiben können oder dürfen.
Die andere Variante: Ein junger talentierter Mensch, ein Young Professionel, heuert an als Vorstands-Assistent – und als er antritt, wurde dieser Vorstand leider gerade gefeuert oder mit goldenem Handschlag verabschiedet. Und der Nachfolger will denjenigen nicht als Assistenten haben, sondern lieber sich jemanden selbst aussuchen. Dumm gelaufen.
Hin wie her: Was früher als Karrieresprungbrett durchging, ist heute eher ein Roulettespiel. Doch das Ganze hat noch mehr Aspekte. Erstens ist so ein Arbeitgeber, der vermeintlich Schwächere derart im Preis drückt, kein fairer Vertragspartner. Er dealt mit etwas, was er kaum bis übermorgen garantieren kann – verlangt aber durchaus heute die Gegenleistung als Anzahlung darauf. Zweitens ist dieser Vertragspartner davon beseelt, dass Sie bald wieder verschwinden. Denn auch er setzt ja gerade auf dieses Faktum, der Karrieresprungbretts in Ihrem Lebenslauf – auf den andere Arbeitgeber fliegen sollen. Und er macht Sie so preiswert, dass Sie auch tatsächlich für jeden Konkurrenten billig abzuwerben sind, ein Sonderangebot sozusagen, leichte Beute. Im Klartext: Er meint es nicht ernst mit Ihnen, er will sie keineswegs langfristig aufbauen, sondern lieber vorübergehend einseitig profitieren – nett ausgedrückt. Er sieht sich selbst als eine Art Durchlauferhitzer.
Und drittens: Es ist diesem Arbeitgeber gleichgültig, was Sie von ihm denken. Völlig gleichgültig. Dass er von Anfang an eine Verstimmung bei Ihnen produziert, die die ganze Zeit über an Ihnen nagen wird. Ein Grimmen in der Bauchgegend.
Ist es dann nicht besser, bei diesen Vorzeichen lieber bei einem weniger namhaften Arbeitgeber zu anzuheuern, ohne heute noch klangvollem Markennamen, der aber darauf geeicht ist, auch selbst Fairneß zeigen zu müssen? Vielleicht, weil er’s muss – aber immerhin.
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Guter Artikel, gute Argumentation.
… und wenn alle Studierenden diese Zusammenhänge begreifen könnten, würden beschriebenen Unternehmen nicht nur die Argumente ausgehen. 🙂 Gerade schade, dass künftige Areibeitgeber so wenig schnell denken können wie das Gros junger Studierender! Später dann kommentieren: „Du hattest ja Recht!“ > Was schert es meinen Kontostand, ob ich „Recht hatte“?
nunja es ist leicht fernab von einem „Kriegsschauplatz“ die Angelegenheit zu beurteilen oder sonstige unqualifizierte Kommentare abzugeben, oder sich lustig zu machen, eigene Beweise der eigenen Leistungsfähigkeit aufstellen,ist doch besser, ansonsten: Ironie sollte nicht immer sofort durchschaubar sein….
Vielleicht ist jener Weltkonzern in Hannover, der meinen freiberuflich programmierenden Sohn bis zu 20 Wochen aufs Honorar warten lässt, aber mit Akquisitionsabsichten jwd sich stets in der Presse zu positionieren weiß, demnächst auch so ein Durchlauferhitzer, weil er ganz nebenbei sich auch noch mit irgendwelchen Spekulationen am Finanzmarkt verhauen hat.