Der erste hat mich heute erreicht. Das so ziemlich stilloseste, was es im Geschäftsleben gibt: Ein Weihnachtsgruß in per E-Mail. Der Absender ist jemand, der mich über einen großen Verteiler grüßen möchte – via Klick. Weil´s so schnell geht, weil’s so einfach ist, weil’s nichts kostet, weil’s ach so modern ist, weil ihm gerade nichts Besseres einfällt und weil er irgendwie doch glaubt, es müsse sein, Selbst wenn es noch so seelenlos ist. Und weil er keine zwei Minuten Zeit hat, um handschriftlich ein paar Worte an mich zu richten, auf einer halbwegs netten Karte. Und 55 Cent Porto mag er auch nicht opfern. Ich bin ihm anscheinend egal – und er sollte es mir dann auch sein, oder? Einfach löschen? Nicht doch, viel besser: sammeln und merken. Für den Rest des nächsten Jahres.
Da lobe ich mir doch demgegenüber die Unicef-Karten die jedenfalls in den vergangenen Jahren dutzendfach ankamen. X-mal dasselbe Motiv mit mahnendem Unicef-Signet drauf, überdeutlich. Damit der Empfänger es auch ja merkt und irgendwie auch gleich ein schlechtes Gewissen mit auf den Weg bekommt. Ich entsinne ein Weihnachten, zu dem ich von mehren Partnern einer sehr großen Unternehmensberatung immer diese Unicef-Karten bekam – quasi privat. Weil ihre Company zu geizig war für Weihnachtskarten und sie gestrichen hatte, wie ich später erfuhr. Super Idee für die Image-Pflege. Merkt ja gottseidank keiner draußen.
Doch zurück zu den Mail-Christmas-Greetings: Wenn sie von Freunden kommen, mit Gags zum Lachen, geschenkt. Das ist noch irgendwie o.k., das mag noch angehen. Aber Mail-Weihnachtsgrüße offiziell, im Job, das ist ein absolutes No-Go.
Doch man wundert sich, was so alles verschickt wird zu Weihnachten über den PC. Eine Führungskraft aus dem Rheinland, schickte seinen rund 100 Mitarbeitern als Weihnachtsgruss ein Filmchen, das irgendwie völlig unverständlich war. Keiner begriff, was er mit den bewegten Bildern sagen wollte. Nur eins: Dass sich der Mann aus dem Staub gemacht und niemanden persönlich „Merry Cristmas“ zugerufen hatte und er selbst sich jetzt „in seinen wohlverdienten Urlaub verabschiede“. So richtig verwunderlich, dass der Mann heute nicht mehr auf seinem Posten ist, ist es nicht, oder? Aber immerhin, es gibt genug Chef, die nicht mal ein paar Zeilen via Mail übrig haben für ihre Leute – und trotzdem das ganze Jahr über deren Bestes erwarten Selbstverständlich.
PS: Haben Sie mal darüber nachgedacht, wie viele Empfänger es warum auch immer gar nicht schaffen, die Anhänge mit den vielen Bits und Bites überhaupt zu öffnen? Und die sich ärgern, wenn ihr Mail-Account womöglich zugestopft wird und sie selbst deshalb nichts mehr wegmailen können? Und wie witzig man nach so einem Ärger noch eine Comic-Rentiernase mit Schneeflocken drumherum findet, wenn sie sich endlich endlich nach mehreren Minuten Wartezeit zeigt? Die Rechnung lautet also so: Ich als Absender spare zwei Minuten und 55 Cent und den Preis einer Karte – und der Empfänger verliert womöglich 5 Minuten und freut sich überhaupt nicht mehr am Ende. Und der Absender bleibt in schlechter Erinnerung…?
Wer wissen will, was laut „Business Behaviour“ sein darf und was lieber nicht:
http://www.handelsblatt.com/news/Default.aspx?_p=205445&_t=ft&_b=1005821
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