Die „Spiegel“-Redaktion liefert gleich noch ein Negativ-Lehrbeispiel. Und das nicht nur weil mit dem Kulturchef Matthias Mattussek schon wieder ein autoritärer Vorgesetzter geoutet wird, der seine Leute – übrigens weder Blödiane noch kleine Kinder, die vor einem herannahenden LKW gerettet werden müssen – anbrüllte, respektlos behandelte und herabsetzte.Legendär sollen Matusseks cholerischen Anfälle gewesen sein. Er hat offenbar nicht nur sein Ressort mit seinem entwürdigendem Umgangsstil in Schach gehalten – das erfuhr man erst jetzt – , sondern landete selbst in der Presse, weil er den heutigen Wirtschaftswoche-Chefredakteur Roland Tichy nach einem TV-Auftritt sogar tätlich angriff.
Doch dieses Negativ-Lehrbeispiel ist nur eins im Fall Matussek: Du sollst als Chef erwachsene Menschen – noch dazu Geistestäter – nicht einschüchtern, sondern überzeugen, ihnen Visionen geben, um sie mitzunehmen. Alles andere hilft nicht. Geschenkt. Theoretisch weiß man es, praktiziert wird´s trotzdem nicht.
Matussek ist nämlich obendrein ein Beispiel dafür, dass die herrschende Beförderungspolitik nicht taugt. Nicht mal in der „Spiegel“-Redaktion mit all ihren schlauen Köpfen. Schauen Sie sich doch mal um. Wer wird auf den Chefsessel befördert? Derjenige, der irgendetwas besonders gut kann, der beste Sachbearbeiter zumeist. Dann wird der beste Schraubendreher zum Oberschraubendreher. Dann sitzt auf dem Chefsessel, wer etwas besonders gut gemacht hat – aber nicht derjenige, der Führungstalent und Empathie hat. Gerade die Empathie ist eine unverzichtbare Eigenschaft, die durch nichts wett gemacht werden kann. Auch nicht durch meisterhaftes, vorbildliches Schraubendrehen. Statt also den beste Coach zu suchen, den besten Teamplayer, den besten Integrator oder den besten Motivator für die Abteilung, fällt die Wahl immer wieder auf den Klassenbesten. Oder dem, den die Hierarchie als den Besten wahrgenommenen hat. Allzu oft ist der sogar nur der beste Blender. Das Ergebnis ist auch nicht besser. Jedenfalls ist die Methode am einfachsten. Und genau da liegt das Problem. Wann endlich wird Führungsqualität anerkannt als eine so wertvolle Eigenschaft, dass sie eine Beförderung rechtfertigt? Die Schrauben sollen dann weiter diejenigen drehen, die das ganz toll können – und brauchen sich nicht fortan quälen mit einem Job, der sie und vor allem auch alle anderen unglücklich macht.
Bleibt nur wieder die Frage: Warum stört man sich erst jetzt daran – nach seiner Änderungskündigung -, dass Matussek gestandene Redakteure anbrüllte und dass ihm Führungsqualität fehlt? Warum schaut man derlei Erniedrigungen nachgeordneter Menschen – die sich nur eingeschränkt wehren können – erst jahrelang tatenlos zu? Oder anders gesagt: Warum schaute man weg?
http://www.welt.de/welt_print/article1427173/Wie_der_Spiegel_seinen_Kulturchef_verliert.html
Auch der Ex-Merrill-Lynch-Chef durfte ungehindert wüten und keiner prangerte das an – bis zu seiner Kündigung:
http://management.blogg.de/eintrag.php?id=6
Warum und warum so lange?
Cholerik verschleißt den Choleriker und seine Umgebung zu schnell. Das geht vielleicht auf dem Bau – sonst macht es einsam.